Die Anschaffung

WAS SOLLTEN SIE BEACHTEN?
Meerschweinchen sind Rudeltiere und als solche dürfen sie nie alleine gehalten
werden, immer mindestens zu zweit. Am idealsten ist natürlich die Haltung von einem Kastraten und mindestens einem Weibchen. Je nach Größe des Lebensraums der Tiere kann man dem Kastraten auch zwei oder mehr Weibchen dazu setzen.
Die Größe des Lebensraums muss mindestens 1,00 m² für zwei Meerschweinchen betragen und für drei Meerschweinchen
1,30 m². Idealerweise haben dieMeerschweinchen noch die Möglichkeit eines Auslaufs.


Eine rein gleichgeschlechtliche Haltung, egal ob Böckchen / Kastraten oder Weibchen, sollte möglichst vermieden werden.
Die Haltung von reinen „Männer-WGs“ können, nachdem anfänglich alles gut aussah, mit der Zeit zu Unstimmigkeiten zwischen den Meerschweinchen führen. Dies ist nicht unbedingt auf den ersten Blick für den Halter ersichtlich – es kann auch durch eine unterschwellige Unterdrückung von einem odermehreren Meerschweinchen durch einen dominanten Bock / Kastraten
erfolgen und hat dann zur Folge, dass die unterdrückten Meerschweinchen immer etwas scheuer und auch kleiner bleiben als das dominante Meerschweinchen.


Werden diese Meerschweinchen getrennt und können nach einer evtl. erfolgten Kastration und der "Kastrationsfrist" zu einem Weibchen, blühen diese Meerschweinchenmänner richtig gehend auf und legen auch an Gewicht zu. Das dominate Meerschweinchen hingegen wird sicherlich in einer Weibchengruppe als „Harems-Chef“ sein Glück finden anstatt unter den gleichgeschlechtlichen Männern.


Ebenfalls nicht zu empfehlen ist die Haltung von reinen Weibchengruppen. Dies hat oft zur Folge, dass die Meerschweinchendamen untereinander „zicken“, meist dann eines der Mädchen die Rolle des Bocks / Kastraten ausfüllt und ein
starkes männliches Verhalten mit Brommseln und Aufreiten zeigt. Diese Weibchen haben oft Probleme mit Ovarialzysten. Die Zystenthematik entsteht, da ein Eisprung beim Meerschweinchen durch das Aufreiten des Kastraten ausgelöst wird - ist keiner da, gibt es oft Probleme.

 

DAS SOLLTEN SIE VOR DER ANSCHAFFUNG KLÄREN
Einem Second-Hand-Meerschweinchen aus dem Tierschutz ein neues Zuhause zu ermöglichen, ist eine

  • Verantwortung ein Leben lang
    Meerschweinchen können bis zu 8 Jahre oder sogar älter werden – sind Sie sicher, über diesen
    Zeitraum die Verantwortung für das / die Meerschweinchen zu übernehmen und sollten Sie dies
    nicht mehr tun können, sind Sie ebenfalls in der Lage, Ihre Meerschweinchen wieder in unsere Obhut
    zu übergeben?
  • Allergie
    Wurde bei Ihnen oder einem Ihrer Familienmitglieder , die im gleichen Haushalt wie die Meerschweinchen
    leben würden, bereits eine Allergie auf Tierhaare oder Heu festgestellt oder haben Sie einen Verdacht
    auf Allergie? Gerne können Sie nach Absprache eine unserer Pflegestellen besuchen und vor
    Ort prüfen, ob sich allergische Reaktionen zeigen.
  • Kinder
    Meerschweinchen sich niedliche, kleine Fellkugeln mit runden Kulleraugen, die auch oder ganz besonders
    Kinderherze höher schlagen lassen. Bitte bedenken Sie vor der Anschaffung allerdings, dass
    Meerschweinchen keineswegs Kindertiere sind, wie sie leider noch gerne und ausführlich als solche
    beworben werden. Meerschweinchen sind Fluchttiere, die eher zum Anschauen und Beobachten
    ein-laden anstatt zum Streicheln und Schmusen.
    Fluchttiere mögen es überhaupt nicht, angefasst zu werden oder gar von oben mit der Hand geschnappt zu werden. Hat man sie auf dem Arm, verfallen sie meist in eine Angststarre. Diese wird oft mit "wohlfühlen" verwechselt, was zur Folge hat, dass die Tiere ausführlich gestreichelt
    werden, während das Meerschweinchen innerlich vor Angst bebt.
    Natürlich gibt es auch die panischen Meerschweinchen, die einfach nicht zu bändigen sind und ehe man sich versieht, aus der Hand gesprungen sind und ggf. aus größerer Höhe auf hartem Boden aufprallen. Diese Tiere sind für erfahrene Meerschweinchenhalter teilweise schwer zu handhaben und sollten nicht in uner-fahrene Kinderhände gelangen.
    Auch haben Kinder meist noch nicht ein richtiges Gefühl für die Kraft, die sie zum Festhalten von Meerschweinchen aufbringen und dadurch können Meerschweinchen, die trotz ihrer pummeligen Birnenform sehr zart besaitet sind, schnell gequetscht werden oder gar Knochen zu Bruch gehen bis hin zum Tode.

Das neue Schweinchen zieht ein - Vergesellschaftung

 

 

Ausgangslage / Problemstellung

 

Meerschweinchen sind zwar Rudeltiere, nichtsdestotrotz bedeutet das Kennenlernen neuer Artgenossen immer Stress für die Tiere. Neue Artgenossen werden zunächst immer erst einmal als Eindringlinge im eigenen Territorium verstanden, deswegen gibt es verschiedene Punkte, die bei einer Vergesellschaftung (kurz VG) zu bedenken / beachten sind. Wir können hiermit natürlich keine Garantie geben, dass es dann immer klappen wird, die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Problemen kommt ist jedoch deutlich geringer.

  

VG-Gehege

 

Um dem Problem der Eindringlinge zu begegnen, empfiehlt es sich, eine VG immer auf neutralem Boden zu machen. Dabei sollte das VG-Gehege so gestaltet sein, dass keine Engstellen / Sackgassen entstehen, in denen unterlegene Tiere bedrängt / in die Enge getrieben werden können, z.B. durch Häuser mit nur einem Eingang oder Kuschelsäcke.

 

Die Tiere sollten so lange im VG-Gehege bleiben, bis die VG auch abgeschlossen ist. Gerade bei komplizierteren Fällen läuft die Klärung der Rangordnung in Phasen ab, die immer wieder von Ruhepausen unterbrochen werden. Deutet man eine solche Ruhephase versehentlich als erfolgreichen Abschluss der VG, passiert es leider häufig, dass der komplette Rangordnungsprozess im eigentlichen Gehege von vorne beginnt - dort hat aber leider die Stammmanschaft Heimvorteil. Das VG-Gehege sollte daher so aufgestellt werden, dass es nötigenfalls auch mehrere Tage dort stehen bleiben kann. In dieser Zeit sollten die Tiere nach Möglichkeit auch nicht wieder getrennt werden. Während dieser Kennlernphase sollte von uns Menschen nicht noch zusätzlicher Stress verbreitet werden, z.B. durch sehr laute Geräusche. Ruhe bewahren ist hier die Devise.

  

Wer trifft hier auf wen?

 

Im Vorfeld der VG sollte man sich vor Augen führen, welche Tiere hier aufeinander treffen und mit welchen Vorkenntnissen sie kommen. Es kann z.B. länger dauern, einen Kastraten, der aus reiner Böckchenhaltung kommt, mit Weibchen zu vergesellschaften, als einen erfahrenen Haremswächter, da der unerfahrene Kastrat erst lernen muss, was diese Weibchen ihm eigentlich sagen wollen.

 

Saß das neue Schweinchen zuletzt alleine, sodass das Verhalten in der VG nicht einzuschätzen ist oder handelt es sich um Tiere, denen der Ruf voraus eilt, zickig / schwierig zu sein, empfiehlt sich dringend die Gabe von Rescuetropfen (die alkoholfreie Tiervariante - 2 Mal täglich eine halbe Pipette). Je nach Grad der Unklarheit bzw. Zickigkeit kann es hilfreich sein, schon einige Tage im Vorfeld der geplanten VG zu beginnen und die Gabe auch noch Tage über die VG hinaus fortzusetzen. 

  

Die VG ist gescheitert - was nun?

 

Kommt es trotz aller Maßnahmen zu blutigen Beißereien zwischen den Tieren, muss die VG abgebrochen werden. Hierbei ist ganz wichtig, nicht mit den blanken Händen dazwischen zu gehen, wenn die Tiere in Kämpfen verwickelt sind. Sie können dabei die Hand des Menschen erwischen, was zu schmerzhaften, mitunter auch entzündlichen Verletzungen führen kann. Daher die Kontrahenten lieber mit einer Zeitung oder einem kleinen Kissen trennen, dann jeden vorsichtig und ruhig aus dem VG-Gehege nehmen und auf Wunden checken. Dies geht besonders gut, indem man ein Kosmetiktuch nimmt und über das Fell fährt. So lassen sich auch blutige Stellen auf dunklem Fell leichter finden.

 

Bei Haltern mit mehreren Gruppen könnte man es nun natürlich mit einer anderen Gruppe "versuchen". Hier sind Experimente meist nicht hilfreich, da das Schweinchen durch die gescheiterte VG noch massiv unter Stress steht und sich bei anderen Tieren wahrscheinlich auch nicht normal verhalten würde. Hier müssen alle Beteiligten zunächst erstmal zur Ruhe kommen und ggf. auch die Ursache des Scheiterns hinterfragt werden.